Die ersten Dächer aus Reet waren einfache Eindach-Häuser. Im Mittelalter ging man durch die dichtere Städtebebauung und der daraus resultierenden höheren Brandgefahr von dieser Dachdeckung ab. Zum Einsatz kamen vermehrt Hartdächer. Dennoch erfreuen sich Reetdächer nach wie vor großer Beliebtheit. Sie gibt es nicht nur an Deutschlands Küsten. Auch im Spreewald und in der Mark Brandenburg hat das Rohrdach eine lange Tradition. Trotz Verdrängung durch den Ziegel, prägen Reetdächer nach wie vor das Landschaftsbild.
Im Spreewald wurde traditionell mit dem sogenannten Rogos Kolbenrohr und Stroh (Roggen oder Weizen) gedeckt. Heutzutage benutzt man jedoch auch hier überwiegend Schilf. In zunehmendem Maße wird man sich dieser alten Bautraditionen wieder bewusst. Die Zahl der Bauherren, die sich für ein Reetdach entscheiden, wächst. Auch im Berliner Raum ist dieser Baustoff nicht abwegig. Gerade in den villenreichen Stadtgebieten wollte man zeigen, dass man einen besonderen Geschmack hat und versah einige stattliche Villen, ja sogar einen U-Bahnhof, mit dem natürlichen Material.

Erst, wenn die Blätter welk sind und die Halme saftlos, lässt sich das Rohr gut schneiden. Nach der Ernte wird es gekämmt und von Gras bzw. anderen Verunreinigungen gesäubert. Danach wird es zur Weiterverarbeitung getrocknet und gebündelt.
Nicht jede Reetsorte eignet sich zum Dachdecken. Dafür müssen die Halme besonders lang, stabil und widerstandsfähig sein, so dass sie beim Biegen nicht sofort brechen. Zudem sollten sie einen gelben bis braunen Farbton aufweisen.
Ein Bund Reet besitzt einen Durchmesser von ca. 60 cm. Es wird in drei Längen angeboten – kurz, mittel und lang. Kurzes Reet ist bis zu 1,50 m lang und im Halmdurchmesser maximal 6 mm dick.
Bei mittellangem Reet beträgt die Halmlänge etwa 1,80 m und der Halmdurchmesser 3–9 mm. Langes Reet wird auf maximal 2,30 m zugeschnitten und besitzt einen Halmdurchmesser von 6–12 mm.
An welcher Stelle des Daches die verschiedenen Längen zum Einsatz kommen, weiss nur ein erfahrener Rohrdachdecker. In der Regel wird kürzeres Reet für die Walme sowie unter den Gauben verwendet. Für die Dachflächen und Gaubendeckel greift man dagegen überwiegend auf längeres Reet zurück.
Obwohl Reet oberflächliche Feuchtigkeit verträgt, muss bei der Weiterverarbeitung sicher gestellt werden, dass das Bundinnere stets trocken ist. Andernfalls könnte sich Schimmel bilden, der das Material unbrauchbar macht. Vom Fachmann gedeckte Reetdächer halten im Schnitt 25–40 Jahre, in Ausnahmefällen sogar bis zu 100 Jahre.

Man gruppiert sie nach dem Herkunftsland, Abbaugebiet und Schnittjahr. Die klimatischen Gegebenheiten der jeweiligen Anbauregion beeinflussen maßgeblich die Eigenschaften des Materials. Positiv wirkt dabei das warme kontinentale Klima Südeuropas. Reet aus Rumänien oder der Türkei zeichnet sich durch besonders harte Halme und eine kräftige gelbe Farbe aus. Im Verhältnis zur Länge sind die Halme bei diesen Sorten relativ dünn. Reet aus Ungarn besitzt einen harten bis mittelharten Halm.
Je weiter nördlicher man sich bewegt, desto weicher werden die Halme, was jedoch keinen Nachteil darstellt. Reet aus Polen ist, verglichen mit einheimischen und südeuropäischen Sorten, die preisgünstigste Alternative.
Wir beziehen unser Reet von der HISS REET Schilfrohrhandel GmbH, einem traditionellen Familienunternehmen aus Bad Oldesloe. Das Unternehmen handelt bereits seit den 1920er Jahren mit Schilfrohr und enwickelte sich zu einem der größten Schilfhändler Deutschlands. Es besitzt Tochterunternehmen in der Türkei, Rumänien und Ungarn. Auch wenn alle Niederlassungen eigenverantwortlich arbeiten, vereint sie ein Grundsatz – nachhaltiges Wirtschaften zum Wohle der Natur.

Er dämmt perfekt Wärme. Verantwortlich dafür ist der hohe Luftanteil zwischen den einzelnen Halmen. Dieser bildet einen Isolationsraum und sorgt somit für einen minimalen Wärmeverlust. Entsprechend gleicht ein Reetdach, verglichen mit einem Hartdach, auch deutlich besser die Temperaturschwankungen im Tag- und Nachtwechsel aus. Im Sommer bleibt es unter einem Reetdach angenehm kühl, im Winter mollig warm. Das steigert nicht nur das persönliche Wohlbefinden, sondern hilft auch, Energiekosten einzusparen.
Berücksichtigt man den Umstand, dass sich die Heizkosten zwischen 2002 und 2012 für einen durchschnittlichen Haushalt um mehr als ein Drittel erhöht haben, macht die Eindeckung mit Reet durchaus Sinn. Auf lange Sicht ist ein rohrgedecktes Dach nicht teurer als ein herkömmliches Ziegeldach. Ganz im Gegenteil. Es ist zudem noch sturmsicher und absorbiert deutlich effektiver störenden Verkehrs- und Fluglärm.
Reet versprüht nicht nur einen warmen individuellen Charme, sondern auch keine Chemie im Haus. Als unbehandelter Naturbaustoff ist es frei von Schadstoffen und kein Auslöser für gesundheitliche Belastungen oder Allergien. Darüber hinaus ist Reet leicht zu entsorgen. Von der Produktion, über die Nutzung bis hin zur Entsorgung hinterlässt es einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck als ein Hartdach.
Für Reetdächer gibt es auch finanzielle Anreize vom Staat. Zur Förderung der Kulturlandschaft wurden in Norddeutschland und in Brandenburg, speziell in der Spreewaldregion, Projekte initiiert, die den Erhalt von Reetdächern unterstützen. Gefördert werden beispielsweise Bauwerke, die umgenuzt werden sollen bzw. unter Denkmalschutz stehen.











Nach und nach begann man diese zu verzieren, um so weithin sichtbar Schutz für das Haus und die Ernte zu erbeten. Zu den wichtigsten regionalen Schmuckelementen zählen:





Aus diesem Grund werden die Flächen mit Fenstern versehen. Sie können verschiedenartig gestaltet sein. Gängige Formen sind:





Auch bei gewölbten, runden oder tonnenförmigen Dachkonstruktionen verläuft der First am Scheitelpunkt des Bogens. Er ist der höchste Punkt des Daches und besonders stark der Witterung ausgesetzt. Daher sollte er nur von einem Fachmann eingedeckt werden.



